Gefährliche Sexualpraktiken – Versicherung zahlt nicht

Redaktion (SL)

Wer es wortwörtlich auf die Spitze „treibt“ und sich oder andere dabei verletzt, muss den entstandenen Schaden selbst übernehmen. Im allerschlimmsten Falle, kann der Verursacher sogar seinen Versicherungsschutz komplett verlieren.

Dem Oberlandesgericht in Hamm lag im November letzten Jahres ein ungewöhnlicher Fall vor. Ein Mann, der seine Geliebte beim Liebesspiel mit einem Gürtel so lange würgte bis sie bewusstlos wurde und ärztlich behandelt werden musste, reichte die Schadensersatzforderung der Gespielin bei seiner Haftpflichtversicherung ein. Diese weigerte sich jedoch die Zahlung zu übernehmen da es sich hierbei um gefährliche Sexualpraktiken handelt, die zum einen nicht mit der Haftpflichtversicherung abgedeckt sind und zum anderen stets auf eigene Gefahr hin ausgeübt werden. Dass sahen auch die Richter in Hamm so und gaben der Haftpflichtversicherung recht (AZ.: I-20 U 10/11). Des Weiteren waren sich die Richter des Oberlandesgerichts in Hamm einig, dass solche Praktiken beim Geschlechtsverkehr als äußerst „ungewöhnlich und gefährlich“ anzusehen sind. Das gilt auch dann, wenn der oder die Geschädigte nicht mit Absicht verletzt worden sind.

Private Haftpflichtversicherung nein – Unfallversicherung ja?

Ein weiterer skurriler Fall ereignete sich vor etwa 10 Jahren, als eine Frau durch eine abrupte Bewegung beim Geschlechtsverkehr mit ihrem Partner querschnittsgelähmt wurde. Nach diesem unschönen Ereignis, klagte die Frau ihren männlichen Sexpartner vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf an (AZ.: 4 U 153/98) und forderte von seiner Unfallversicherung Schadensersatz. Diese lehnte den Schadensersatzantrag ab mit der Begründung, dass die Bewegungsabläufe beim Geschlechtsverkehr von jedem selbst zu verantworten seien und mit Einwilligung der Klägerin erfolgte. Das Gericht in Düsseldorf sah dies anders und gab der Geschädigten recht und wies die Verteidigung der Unfallversicherung ab. Unabhängig davon, ob und wie es genau zu derartigen Verletzungen kommt, liegt in einem solchen Fall eine mechanische Ursache vor, woraus sich ein Unfall ergibt und als solcher auch durchaus gegenüber der privaten Unfallversicherung deklariert werden kann. In dem Düsseldorfer Fall ist der Sex zwischen dem Angeklagten und der Geschädigten zwar nicht ganz unsanft vollzogen worden, dennoch waren die Richter der Ansicht, dass es zu einem einvernehmlichen Körperkontakt gekommen ist, welcher nicht nur von einer Person gesteuert wurde.

Grundsätzlich ist es so, dass es keine Versicherung gibt, die ein solches eigenverantwortliches Risiko im Schadensfall übernimmt. Auch in Zukunft wird es kein Versicherungsunternehmen geben, welche derartige mögliche Schadensersatzansprüche Dritter ohne Wiederworte reguliert.

 

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