Existenz bedrohende Versicherungssummen für Hebammen

Redaktion (SL)

In Jever fühlen sich mehrere Hebammen von dem Versicherungssystem hintergangen, denn die eh schon recht geringe Vergütung und die immens hohen Deckungssummen für die Haftpflichtversicherungen, bedrohen bei vielen die Existenz.Hebammen haben bekanntlich nicht unbedingt den leichtesten Beruf. Doch jede Hebamme sieht ihre Arbeit auch eher weniger als Job an, sondern vielmehr als Berufung. Umso ärgerlicher und schon leicht diskriminierend, wenn die Versicherungsprämien für die Haftpflichtversicherung so extrem hoch ist, das diese die eigene Existenz bedroht. Hinzu kommt, dass die Vergütung ihrer Arbeit nicht unbedingt zu den besten gehört. Besonders betroffen sind davon Hebammen, die auf freiberuflicher Basis arbeiten. Die Chance eine Stelle als Festangestellte Geburtshelferin zu erhaschen, ist dieselbe, wie wenn man versucht eine Nadel in einem Heuhaufen zu finden.

Die Fakten

Doch sehen wir mal den Tatsachen ins Gesicht: Eine freiberufliche Hebamme, soll ab dem 01. Juli diesen Jahres rund 15 Prozent mehr an die Berufshaftpflichtversicherung zahlen, als bisher. Bei einer Summe von dann insgesamt 4242 € jährlich, müssten sie bei mindestens zwei Geburten pro Monat behilflich sein, um allein diese Versicherungsprämie abdecken zu können. Hebammen, die keine eigenen betreuungspflichtigen Kinder haben, kommen pro Monat auf ungefähr acht Geburten die sie fachmännisch begleiten. Sobald jedoch eigene kleine Kinder mit im Spiel sind, sind monatlich acht Geburten nicht zu händeln. Dann sinkt der Schnitt nämlich auf etwa zwei Geburten pro Monat. Kein Wunder, dass die freiberuflichen Hebammen in solch einer Situation auf die Barrikaden gehen und sich missverstanden fühlen. Berechtigterweise stellen sie sich natürlich dann die Frage, ob es überhaupt noch Sinn macht, diesen Job weiter fort zu führen und auszuüben.

Die Ursachen

Einer der Hauptgründe, warum die Prämien für die Berufshaftpflicht scheinbar endlos steigen, sind die hohen Folgekosten aus längst vergangenen Schadensfällen. Die Versicherungen versuchen sich aller Wahrscheinlichkeit nach, diese aus den Schäden entstandene Kosten von den Versicherungsnehmern wieder zu holen. Viele Hebammen fühlen sich diesbezüglich logischerweise von den Versicherungsgesellschaften zu unrecht behandelt.

Die aktuelle Lage

Wer als Hebamme freiberuflich arbeitet, ist eher in den ländlicheren Gegenden unterwegs und arbeiten oftmals nur dann, wenn eine werdende Mutter sie ruft. Hebammen die ihren Dienst in einem Krankenhaus verrichten, sind eher in den Städten beschäftigt – haben allerdings auch den Nachteil, dass hier vorrangig im Schichtdienst gearbeitet wird. Doch gerade auf dem Land sind Hebammen unverzichtbar, denn sie sind meist die einzige Anlaufstation, Hilfestellung und Begleitperson vor-, während- und nach der Geburt des Neugeborenen. Hebammen die nicht freiberuflich arbeiten, begleiten die werdenden Mütter in der Regel nicht während der Geburtsvorbereitung und nach der Geburt. Somit sind viele auf dem Land lebende Frauen auf die freiberuflichen Hebammen im Wochenbett angewiesen, wenn sie nicht alleine dar stehen möchten.

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