Bauherrnhaftpflicht

von Georg Hartmann+

Die Bauherrnhaftpflicht gehört neben der Bauleistungsversicherung und der Rohbaufeuerversicherung zu den Bauversicherungen. Sie ist die Voraussetzung, damit ein Bauvorhaben mit allen seinen Risiken begonnen werden kann. Eine Finanzierung durch eine Bank wird in aller Regel ohne Bauherrnhaftpflicht nicht bewilligt werden.

Schutz durch die Bauherrnhaftpflicht

Sollte auf Ihrer Baustelle eine Person zu Schaden kommen, stehen Sie als Bauherr dafür in vollständiger Haftung, das schreibt das Bürgerliche Gesetzbuch (§ 823) vor. Trotz aller Vorsorge geschehen Unfälle, selbst ein Bekannter, dem Sie Ihr Bauvorhaben zeigen möchten, kann dabei verunglücken oder sich verletzen. Durch die Bauherrnhaftpflicht sind Sie vor den finanziellen Forderungen der Geschädigten hinsichtlich Personen-, Sach- und Vermögensschäden geschützt. Gleichzeitig haben Sie als Bauherr Sorge für die Bauaufsicht zu tragen. Wenn Sie diese nicht selbst vornehmen können oder wollen, müssen Sie einen Koordinator (Bauleiter, Architekt) damit beauftragen, was Sie allerdings von der Haftung nicht entbindet. Eine reine Sicherung durch Absperrungen und Schilder muss zwar vorgenommen werden, da Sie stets Sorgfaltspflicht haben, sie enthebt Sie aber nicht von der Haftung und kann im Übrigen Unfälle nicht vollständig verhindern.

Eine günstige Bauherrnhaftpflicht finden

Fast alle Versicherungsgesellschaften bieten die Bauherrnhaftpflicht an, über Beitragsrechner ist die optimale Police zu finden. Es ist hierbei zu beachten, dass die Tarifgestaltung zwischen den einzelnen Gesellschaften durchaus nach unterschiedlichen Kriterien erfolgt, sodass ein Tarif nach dem speziellen Bauvorhaben gewählt werden muss. Es gehören neben dem Standort auch die Bausumme, die Art des Baus (Neubau oder Sanierung), die Bauzeit, der Anteil und die Art von Eigenleistungen (mit oder ohne Baumaschinen) und der Gebäudetyp (Ein-, Zwei- oder Mehrfamilienhaus) dazu. Spezielle Bedingungen gibt es für industrielle und gewerbliche Bauten. Wenn eine günstige Bauherrnhaftpflicht gefunden ist, kann sie über einen Online-Rechner sofort abgeschlossen werden.

Auf Bauherrnhaftpflicht verzichten?

Das ist ausgeschlossen, eine Bankfinanzierung würde ohne diesen wichtigen Versicherungsbaustein in aller Regel nicht bewilligt werden. Es wird zwar so gut wie immer ein Bauleiter oder Architekt mit der Bauüberwachung beauftragt, haftbar ist dennoch der Bauherr. Er ist für alle Sicherungsfehler verantwortlich, auch für Schäden, die ohne sein Verschulden eintreten können. Das kann allein durch Wetterschäden passieren, die Sicherungen unbrauchbar machen. Bei solchen Ereignissen ist der Bauherr verpflichtet, die Sicherung umgehend wieder herzustellen, um nicht grob fahrlässig zu handeln. Darüber hinaus muss er die möglichst lückenlose Baustellenüberwachung während der Bauzeit sicherstellen. Sollte ein Schaden gänzlich ohne Verschulden des Bauherrn eintreten, das Verschulden jedoch etwa bei einer der beteiligten Baufirmen liegen (der häufigste Fall), dann ist der Bauherr durch die Bauherrnhaftpflicht geschützt, diese nimmt den Schadensverursacher in Regress.

Gesetzliche Pflichten des Bauherrn

Zu den gesetzlichen Pflichten, vor deren Verletzung – schuldhaft oder nicht – die Bauherrnhaftpflicht schützt, gehören:

1. Verkehrssicherungspflicht

Der Bauherr muss persönlich für die Verkehrssicherheit des zu bebauenden Grundstückes Sorge tragen. Es gehören dazu die Baustelle selbst, die Zufahrt sowie das Materiallager. Zu den typischen Schadenfällen gehören der Sturz eines Fußgängers oder Radfahrers auf verschmutzter Fahrbahn oder die unsachgemäße Lagerung von Baumaterialien auf Zufahrtswegen, wodurch Unfälle entstehen.

2. Überwachungspflicht

Der Bauherr ist verantwortlich für die Bauüberwachung und die Sicherung der Baustelle. Typische Schadenfälle sind herunterfallende Materialien oder Baubestandteile, unbefugt spielende Kinder, die auf der Baustelle verunfallen, oder die Beschädigungen von Anlagen oder der Bepflanzung des Nachbargrundstückes durch Baumaschinen.

3. Auswahlpflicht

Der Bauherr ist für die Auswahl des Bauleiters, der beteiligten Firmen sowie anderer beteiligter Handwerker verantwortlich und muss mit der gebotenen Sorgfalt vorgehen. Für Schäden, die dennoch durch eine falsche Auswahl entstehen können, kommt die Bauherrnhaftpflicht auf.

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